“How do you like Shiraz?” hat der Taxifahrer in seinem uralten Paykan gefragt und Shiraz “the Persian Paris” genannt.
Unter großen Mühen gucken wir heute an:
Die Burg Arg-e Karim Khan mit Fotoausstellung alter Fotos aus Shiraz,
die wundervolle Moschee Masjed-e Vakil,
die alte theologische Fakultät Madraseh-Ye Khan mit schönem Eingangsportal,
Gescheitert sind wir an der Suche nach dem Teehaus Seray-e Mehr
Mine behauptet, ihr Nacken sei seit Tagen nicht mehr trocken geworden unter diesem Kopftuch, weder Tag noch Nacht. Ketzerische Gedanken kommen auf, die wir an dieser Stelle verraten: Sollen wir statt nach Jerevan direkt nach Zypern fliegen und uns dort an den Strand legen und in von Wein beschatteten Lauben sitzen und abends gegrillten Fisch essen? Die Hitze setzt uns zu, Mine noch mehr als mir und untergräbt unsere Lust auf noch mehr alte Gräber und Moscheen und Paläste. Wir müssen uns nach der gestrigen Busfahrt und einem ersten schweißtreiben Besichtigungsversuch von Shiraz (ab 11 Uhr!!) mit unseren schwächsten Gedanken auseinandersetzten,
Uns nervt, daß wir immer Gast sind, daß wir mit schlechten Stadtplänen in der Hitze durch Städte streifen, von denen andere behaupten, sie seien wunderschön und wir unsere ganze Mühe aufwenden müssen, um dieses Gefühl auch in uns heraufzubeschwören (Motto: bloß nicht die auserkorenen Wichtigkeiten verpassen).
Uns nervt, so viel Mühe auf Alltäglichkeiten verwenden zu müssen, wie das Finden eines kühlen Ortes und einer Tasse Tee.
Uns nerven die vermummten schwarzen umherhuschenden Menschen, die bei dieser Hitze in schwarzem Mantel oder Chador, langer Hose und geschlossenen Schuhen und Kopftuch herumlaufen müssen.
Uns nerven die, die uns zuraunen wie schwer es in diesem Land ist und wir können uns mit ihnen nur so mühevoll unterhalten und verstehen daher so vieles nicht.
Uns nervt es, als Tourist eine Ware zu sein, eine Kuh zum Melken.
Uns nervt, sich jede Information besorgen und erkämpfen zu müssen, immer auf der Hut sein zu müssen, achtsam, freundlich, aufmerksam und vorausschauend, damit wir unsere Ziele erreichen.
Uns nerven die Gegensätze in diesem Land, diese Fülle alter Schönheiten, diese reife Ästhetik in Proportion, Farbe, Form, Vielseitigkeit und Detailverliebtheit und diese nüchtere Gegenwart, die sich selber mit Mühe und nur mit Macht aufrecht erhält, ohne etwas Vergleichbares zu schaffen in ihrer Zeit.
Reisen ist ein flüchtiges Geschäft, oft wenig nachhaltig, die vielen Bilder vermischen sich in unserem Kopf, ziehen durch unsere Träume und verwirren sich, es ist eine Flut, ein Zuviel, manchmal auch ein Wahloses. Bleiben statt Umherziehen muß bald wieder kommen und Nachhaltigkeit. Deshalb bemühen wir uns vielleicht so um den Blog, damit sich unsere Gedanken und Erinnerungen ein bißchen setzten und einen kleinen Bodensatz bilden.
Nach einer Pause im Hotel gehen wir ein Sandwich mit Falaffel essen und fahren dann zum Grab von Hafez, dem perischen Nationalhelden und Dichter, der auch Goethe inspirierte. Wie die Menschen ihn verehren ist erstaunlich, sie pilgern geradezu zu seiner Grabstätte, die in einer schönen Gartenanlage liegt. Sie berühren das Grab, murmeln dabei Worte, knien nieder als wollten sie sagen “wir haben den gleichen Weg”. Manche lesen in seinen Gedichten oder lassen sich über die Zukunft sagen, indem sie am Ort des Grabes aus seinen Werken eine Seite zufällig aufschlagen und den Finger auf einen seiner Verse legen (letzteres nennt man “fale Hafez”), machen unzählige Fotos von sich und dem Grab. Es kommen Jung und Alt, Frauen und Männer, konservativ Wirkende und modern Wirkende. Die ganze Zeit läuft melancholische Gazel-Musik von Sharjarian. Viele sitzen und hören zu und gehen in der Atmosphäre des Ortes auf. Shiraz soll die Stadt der Blumen und der Nachtigallen (“Shahr-e gol o bolbol”) sein. Viele Blumen haben wir heute schon auf den Kacheln gesehen. Nach dem Besuch an Hafez Grab haben wir auch echte Blumen gesehen. Wir warten jetzt noch auf die Nachtigallen.
Sonntag, 31. Mai 2009
28.5.09 Shiraz
Fahren um kurz vor 11 Uhr zum Busbahnhof und warten erstmal lange auf den Bus. Als der kommt, meint Mine gleich: “Naja, sieht ganz schön mitgenommen aus”. Spätere Kommentare lauten etwa: “Das habe ich gleich gesehen, daß das eine scheiß Fahrt wird.”
Unter viel Mühe legen die Männer erstmal ein Motorrad in den Gepäckraum des Busses. Wir gucken skeptisch, ob Benzin oder Öl ausläuft und unser Gepäck ruiniert. Als wir losfahren riecht es furchtbar nach Benzin im Fahrgastraum und das bleibt erstmal. Dann gibt es laute Dispute zwischen mehreren Passagieren und dem Buspersonal, in das wir uns einmischen, weil wir meinen, daß es um den Benzingeruch geht, was aber wohl nicht der Fall war.
Während der Fahrt gibt es mindestens sieben Polizeikontrollen, da wir aus Kerman kommen, worüber offensichtlich besonders viele Drogen ins Land eingeschleppt werden. Immer muß der Bus halten und beide Busfahrer gehen dann zur Polizeistation, zeigen Papiere, Fahrtenschreiber und bekommen Stempel. Einmal wird der Bus gefilzt nach Drogen. Dazu werden die Hohlräume mit einem Schraubenzieher beklopft, was uns ein bißchen unsicher schien als Methode, zumindest wenn man sich für Mengen unter 5kg interessiert. Unsere Pässe werden auch kontrolliert. Das Personal ist mit sich und dem Handy und der guten und schlechten Laune beschäftigt und findet keine Gelegenheit, sich um die Passagiere zu kümmern und deren Hunger und Durst (kein Tee, kein Saft). Der Bus hält nicht, um Essen zu gehen, obwohl wir zehn Stunden unterwegs sind. Wir haben Gott sei Dank Wasser mit und ein bißchen Brote vom Frühstück. Zweimal eilen wir zur Toilette als der Bus tankt. Stundenlang hören wir monotone religiöse Musik und sehen zwei nervtötende Filme Die Landschaft ist schön, viele Berge, meist kahl. An einer Stelle tapfere Aufforstungsprojekte mit unendlichen Monokolturen an Feigenbäumen über vele, viele, viele Kilometer. Man kann verzweifeln über den Profithunger und die Fantasielosigkeit der Menschen und sich immerzu die Haare raufen. Entnervt kommen wir in Shiraz an, nehmen ein Taxi (was auch sonst) und fahren zu dem laut Führer ausgesuchten Hotel, welches ok ist (Shiraz Eram Hotel). Essen ein paar Happen im Restaurant und gehen zu Bett.
Unter viel Mühe legen die Männer erstmal ein Motorrad in den Gepäckraum des Busses. Wir gucken skeptisch, ob Benzin oder Öl ausläuft und unser Gepäck ruiniert. Als wir losfahren riecht es furchtbar nach Benzin im Fahrgastraum und das bleibt erstmal. Dann gibt es laute Dispute zwischen mehreren Passagieren und dem Buspersonal, in das wir uns einmischen, weil wir meinen, daß es um den Benzingeruch geht, was aber wohl nicht der Fall war.
Während der Fahrt gibt es mindestens sieben Polizeikontrollen, da wir aus Kerman kommen, worüber offensichtlich besonders viele Drogen ins Land eingeschleppt werden. Immer muß der Bus halten und beide Busfahrer gehen dann zur Polizeistation, zeigen Papiere, Fahrtenschreiber und bekommen Stempel. Einmal wird der Bus gefilzt nach Drogen. Dazu werden die Hohlräume mit einem Schraubenzieher beklopft, was uns ein bißchen unsicher schien als Methode, zumindest wenn man sich für Mengen unter 5kg interessiert. Unsere Pässe werden auch kontrolliert. Das Personal ist mit sich und dem Handy und der guten und schlechten Laune beschäftigt und findet keine Gelegenheit, sich um die Passagiere zu kümmern und deren Hunger und Durst (kein Tee, kein Saft). Der Bus hält nicht, um Essen zu gehen, obwohl wir zehn Stunden unterwegs sind. Wir haben Gott sei Dank Wasser mit und ein bißchen Brote vom Frühstück. Zweimal eilen wir zur Toilette als der Bus tankt. Stundenlang hören wir monotone religiöse Musik und sehen zwei nervtötende Filme Die Landschaft ist schön, viele Berge, meist kahl. An einer Stelle tapfere Aufforstungsprojekte mit unendlichen Monokolturen an Feigenbäumen über vele, viele, viele Kilometer. Man kann verzweifeln über den Profithunger und die Fantasielosigkeit der Menschen und sich immerzu die Haare raufen. Entnervt kommen wir in Shiraz an, nehmen ein Taxi (was auch sonst) und fahren zu dem laut Führer ausgesuchten Hotel, welches ok ist (Shiraz Eram Hotel). Essen ein paar Happen im Restaurant und gehen zu Bett.
27.5.09 Kerman
Um vier Uhr morgens starten wir mit unsrem Mann vom Vortag in dem Iran Khodro Samanda des Hotels (Motor Renault und Karosserie BMW, alles im Iran zusammenmontiert, wie wir lernen). Es soll in die Wüste Lut gehen, um dort in der Morgenstimmung und bevor es unerträglich heiß wird, die sogenannten Kaluts zu sehen. Die Kaluts sind ein Naturphänomen inmitten der Wüste (Temperaturen dort bis 65°C im Sommer). Auf einer riesigen Fläche (145km x 80km) sieht man durch Wind, Wasser und Sand bizarr geformte Felsformationen (“sand castles”). Wir fahren los und schon bald.beschleicht und besorgt mich (ich sitze vorne neben dem Fahrer) das Gefühl, daß unser Mann ohne Licht durch das nächtliche Kerman fährt. Das machen nicht wenige Fahrer so, warum auch immer. Vor einem Hindernis oder bei einem entgegenkommenden Fahrzeug oder wenn man zum Überholen ansetzt, blendet man kurz auf, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ich weise ihn irgendwann vorsichtig darauf hin und er macht dann Licht. Um uns noch vor Sonnenaufgang zu den Kaluts zu bringen, drückt er dann mächtig aufs Gas. Die Strecke geht durch die Berge, einen Tunnel, auf nicht zu breiten kurvigen aber guten Straßen. Mir und Mine wird es ganz anders. Die Fenster sind einen Spalt auf und der Fahrtwind und die damit verbundenen Geräusche sind so kräftig, daß man recht laut sprechen muß, um verstanden zu werden. Wir haben beide Bedenken, ihn allzu laut anzusprechen und bei seiner konzentrierten Raserei zu erschrecken oder zu einem Blick zur Seite oder gar nach hinten zu verleiten. Mehrfach versuche ich zu sagen, er solle ruhig langsamer fahren. Er aber meint es gut mit uns und will den Sonnenaufgang für uns erst am Ort unserer Bestimmung. Der Sonnenaufgang wird uns zunehmend egal. Auch die Spur des Gegenverkehrs ist zu dieser Stunde unsere. Die Schilder, die engere Kurven anzeigen, führen nicht zur Verlangsamung der Fahrt. Bei einem entgegenkommenden Fahrzeug macht er in der Dämmerung stets kurz das Licht aus und dann wieder an, wie gesagt, um sich der Aufmerksamkeit des Gegenübers zu versichern. Für einen kurzen Moment wird es bei der Fahrt plötzlich deutlich dunkler vor den Augen und sie brauchen einen Moment, um sich anzupassen. Ich bekomme bei der Fahrt echte Angst und irgendwann schaffe ich es, alle Zurückhaltung und Akzeptanz zu überwinden und ich rufe laut, er solle langsamer fahren und daß er mir Angst macht. “Sorry, sorry” und “Ok, Ok” und ein erschrockener Blick des Fahrers zu uns, der es ja nur “gut meinte”. Endlich geht es langsamer weiter. Mine und ich sind total verspannt. Die Kaluts, die zunächst völlig nebensächlich geworden waren, sind kurz darauf aber einfach fantastisch. Mine und ich gehen alleine an den Formationen entlang durch den Sand, die Sonne geht auf, wir machen viele Fotos. Einzigartig. Das rötliche Morgenlicht spielt auf den Felsen, die inmitten des grauen Sandes stehen. Jede der Formationen sieht anders aus und wir gehen hier rauf und da runter und hier herum und dann noch nach dort weiter. Wir merken, daß nicht viel fehlt, um hier die Orientierung zu verlieren. Die Straße hilft uns und wir stehen irgendwann wieder bei unserem Fahrer. Schon um sieben Uhr ist es sehr warm, der Wind geht unaufhörlich.
Wir sind immer noch schockiert von der gehetzten Fahrt. Wie kann jemand glauben, daß wir wegen eines Sonnenaufgangs irgendwo bereit sind, ein Risiko in Kauf zu nehmen. Fast denken wir schon unser gestriges Trinkgeld hat ihn zu solchen Heldentaten ermutigt. Bestimmt hat er keine echte Gefahr gesehen, er ist ein ganz erfahrener Taxifahrer und Busfahrer, aber wir waren fertig nach der Fahrt. Man ist auch erschrocken über sich oder die Dynamik der Ereignisse, die einen einen Zustand, den man inakzeptabel findet, hinnehmen läßt bis es dann endlich aus einem herausbricht und man aufgelöst endlich ruft, die Dinge sofort zu ändern. Man wartet besonders lange, wenn die Intention des anderen auch noch prinzipiell gut gemeint ist. Wenn ich dann den Punkt erreiche, daß mir der Kragen platzt, ist eigentlich innerlich schon alles halb in Trümmern. Was für ein Quatsch, sich um solche angeblichen Höhepunkte wie einen Sonnenaufgang zu kaprizieren. Aber dieses sich nur gebrochen verständigen können, läßt halt Raum zu solchen Fehlinterpretationen. Erst spät habe ich unterwegs verstanden, daß es dem Fahrer darum geht: “Kaluts. No sun. Good?”
Kommen auf dem Rückweg wieder im Nebka Park vorbei. Das ist ein Wüstenareal, in dem scheinbar ordentlich und oft der Wind geht. Die Landschaft ist durchzogen von kleinen Erdhügeln, meist mehrere Meter hoch und breit. Auf ihnen wächst ein Nadelgehölz und so haben die Hügel inmitten dieser Landschaft, in der sonst nix wächst, eine grüne vom Wind zerzauste Krone. Das sieht sehr schön aus. Ob wirklich diese Gehölze in der Lage sind, den Abtrag der Erde zu verhindern? Jedenfalls sind die Hügel viel viel größer und höher als die Wurzeln an Substanz halten können. Es ist bestimmt noch etwas anderes, was ihnen hilft, so viel Erde nicht einfach dem Wind zu übergeben, irgendeine Aura oder ein Mikrokosmos, den sie erhalten. Es fällt auch auf, daß die Nadeln, die sie verlieren, den Hügel bedecken trotz Wind.
Halten an einem Schild, das durch den Wind fast 180° nach hinten abgeknickt ist und den heißesten Punkt der Erde anzeigt.
Fahren danach in das Dorf Shafi Abad und besuchen dort eine recht gut erhaltene alte Karawanserei. In dem Ort Shahdad gucken wir ein Mausoleum (Imamzadeh-ye Mohammed Ebn-e Zeid) an, das wir so prächtig in so einem kleinen Ort nicht erwartet haben. Danach sehen wir einen alten Wasserspeicher. Wir gehen 52 Stufen in die Tiefe und treten unten in einen riesigen leeren Kuppelbau, in dem früher Wasser war. Von außen sieht man die Spitze der Kuppel (der Rest ist unter der Erde) und vier schöne flankierende Windtürme zur Kühlung des Wassers. Überreste einer alten Wassermühle sehen wir auch noch in dieser wasserreichen Oase.
Fahren dann zum Früstücken in den kühleren Ort Sirch, picknicken an einem kleinen Wasserlauf unter Bäumen mit Tee und Brot und Käse und Aprikosen. Halten Füsse in das wunderbar kalte Wasser. Beim Einpacken gibt es lange Diskussionen, weil wir den Müll . einpacken und weder an dem Platz lassen wollen, noch ins Wasser werfen wollen. Wir sind wiedermal entsetzt.
Fahren dann in gemesenem Tempo durch die wunderbare Berglandschaft zurück nach Kerman. Halten am Busbahnhof und kaufen Ticket für Shiraz für den morgigen Tag. Unser Mann kriegt Provision, weil er uns für die Gesellschft angeschleppt hat (Mine hat es genau gesehen). Manchmal nervt es, daß man letztlich doch eine Ware ist.
Ruhen uns im Hotel ein bßchen aus, gehen dann im Restaurant eine Kleinigkeiten essen und sind dann wieder aktiv. Gegen 15 Uhr gehen wir aus dem Hotel und es ist unglaublich warm. Fahren zu dem ungewöhnlichen Steinbau Gonbad-e Jabaliye. Eine wirklich schöne Architektur, die Wände aus Bruchstein, die Kuppel aus Ziegeln, sehr gut gepflegte Umgebung, sehr nah zu einem Militärgelände, innen kleines Museum für Grabsteine. Gehen wieder in die Gluthitze raus, fahren mit dem Taxi in die Stadt, um noch einige Sehenswürdigkeiten anzugucken. Das sind: Das schöne Hamam-e Ganj Ali Khan, die kleine Moschee Masjed-e Ganj Ali Khan, den Goldbasar. Gehen dann eine neue Memorycard für die Kamera kaufen und Geld tauschen. Danach wollen wir noch einen Tee im Hamam im Basar trinken. Haben insgesamt in keiner anderen Stadt so viele schräg wirkende Gestalten gesehen wie in Kerman. Hier werden viele Drogen aus Afghanistan eingeschmuggelt und weitertransportiert und wohl auch konsumiert. Der Ton ist etwas gröber, als wir es sonst kennen. Junge Leute pöbeln uns schon mal an und albern offensichtlich über uns. Die Stadt wirkt politisch ambitioniert, überall plakatieren die Händler und Privatleute den Konkurrenten von Staatspräsidenten Ahmadinedschad für die anstehenden Wahlen.
Wir sind immer noch schockiert von der gehetzten Fahrt. Wie kann jemand glauben, daß wir wegen eines Sonnenaufgangs irgendwo bereit sind, ein Risiko in Kauf zu nehmen. Fast denken wir schon unser gestriges Trinkgeld hat ihn zu solchen Heldentaten ermutigt. Bestimmt hat er keine echte Gefahr gesehen, er ist ein ganz erfahrener Taxifahrer und Busfahrer, aber wir waren fertig nach der Fahrt. Man ist auch erschrocken über sich oder die Dynamik der Ereignisse, die einen einen Zustand, den man inakzeptabel findet, hinnehmen läßt bis es dann endlich aus einem herausbricht und man aufgelöst endlich ruft, die Dinge sofort zu ändern. Man wartet besonders lange, wenn die Intention des anderen auch noch prinzipiell gut gemeint ist. Wenn ich dann den Punkt erreiche, daß mir der Kragen platzt, ist eigentlich innerlich schon alles halb in Trümmern. Was für ein Quatsch, sich um solche angeblichen Höhepunkte wie einen Sonnenaufgang zu kaprizieren. Aber dieses sich nur gebrochen verständigen können, läßt halt Raum zu solchen Fehlinterpretationen. Erst spät habe ich unterwegs verstanden, daß es dem Fahrer darum geht: “Kaluts. No sun. Good?”
Kommen auf dem Rückweg wieder im Nebka Park vorbei. Das ist ein Wüstenareal, in dem scheinbar ordentlich und oft der Wind geht. Die Landschaft ist durchzogen von kleinen Erdhügeln, meist mehrere Meter hoch und breit. Auf ihnen wächst ein Nadelgehölz und so haben die Hügel inmitten dieser Landschaft, in der sonst nix wächst, eine grüne vom Wind zerzauste Krone. Das sieht sehr schön aus. Ob wirklich diese Gehölze in der Lage sind, den Abtrag der Erde zu verhindern? Jedenfalls sind die Hügel viel viel größer und höher als die Wurzeln an Substanz halten können. Es ist bestimmt noch etwas anderes, was ihnen hilft, so viel Erde nicht einfach dem Wind zu übergeben, irgendeine Aura oder ein Mikrokosmos, den sie erhalten. Es fällt auch auf, daß die Nadeln, die sie verlieren, den Hügel bedecken trotz Wind.
Halten an einem Schild, das durch den Wind fast 180° nach hinten abgeknickt ist und den heißesten Punkt der Erde anzeigt.
Fahren danach in das Dorf Shafi Abad und besuchen dort eine recht gut erhaltene alte Karawanserei. In dem Ort Shahdad gucken wir ein Mausoleum (Imamzadeh-ye Mohammed Ebn-e Zeid) an, das wir so prächtig in so einem kleinen Ort nicht erwartet haben. Danach sehen wir einen alten Wasserspeicher. Wir gehen 52 Stufen in die Tiefe und treten unten in einen riesigen leeren Kuppelbau, in dem früher Wasser war. Von außen sieht man die Spitze der Kuppel (der Rest ist unter der Erde) und vier schöne flankierende Windtürme zur Kühlung des Wassers. Überreste einer alten Wassermühle sehen wir auch noch in dieser wasserreichen Oase.
Fahren dann zum Früstücken in den kühleren Ort Sirch, picknicken an einem kleinen Wasserlauf unter Bäumen mit Tee und Brot und Käse und Aprikosen. Halten Füsse in das wunderbar kalte Wasser. Beim Einpacken gibt es lange Diskussionen, weil wir den Müll . einpacken und weder an dem Platz lassen wollen, noch ins Wasser werfen wollen. Wir sind wiedermal entsetzt.
Fahren dann in gemesenem Tempo durch die wunderbare Berglandschaft zurück nach Kerman. Halten am Busbahnhof und kaufen Ticket für Shiraz für den morgigen Tag. Unser Mann kriegt Provision, weil er uns für die Gesellschft angeschleppt hat (Mine hat es genau gesehen). Manchmal nervt es, daß man letztlich doch eine Ware ist.
Ruhen uns im Hotel ein bßchen aus, gehen dann im Restaurant eine Kleinigkeiten essen und sind dann wieder aktiv. Gegen 15 Uhr gehen wir aus dem Hotel und es ist unglaublich warm. Fahren zu dem ungewöhnlichen Steinbau Gonbad-e Jabaliye. Eine wirklich schöne Architektur, die Wände aus Bruchstein, die Kuppel aus Ziegeln, sehr gut gepflegte Umgebung, sehr nah zu einem Militärgelände, innen kleines Museum für Grabsteine. Gehen wieder in die Gluthitze raus, fahren mit dem Taxi in die Stadt, um noch einige Sehenswürdigkeiten anzugucken. Das sind: Das schöne Hamam-e Ganj Ali Khan, die kleine Moschee Masjed-e Ganj Ali Khan, den Goldbasar. Gehen dann eine neue Memorycard für die Kamera kaufen und Geld tauschen. Danach wollen wir noch einen Tee im Hamam im Basar trinken. Haben insgesamt in keiner anderen Stadt so viele schräg wirkende Gestalten gesehen wie in Kerman. Hier werden viele Drogen aus Afghanistan eingeschmuggelt und weitertransportiert und wohl auch konsumiert. Der Ton ist etwas gröber, als wir es sonst kennen. Junge Leute pöbeln uns schon mal an und albern offensichtlich über uns. Die Stadt wirkt politisch ambitioniert, überall plakatieren die Händler und Privatleute den Konkurrenten von Staatspräsidenten Ahmadinedschad für die anstehenden Wahlen.
26.5.09 Kerman
Unser Fahrer kommt um acht Uhr und wir starten. Er wirkt sehr nett, was sich später bestätigt. Er trägt sechs große Ringe an den Fingern (gleichzeitig), einen Armreifen, Lackschuhe, einen Schnäuzer. Er ist seit 34 Jahren Fahrer von Bussen und Pkws. Zunächst geht es in die kleine Stadt Rayen, ca. 100km entfernt von Kerman, eingerahmt von hohen zum Teil noch schneebedeckten Bergen (Mt. Hezar mit 4420m). Hier steht eine Zitadelle aus Lehmziegeln, die wahrscheinlich 1000 Jahre alt ist. Sie stand immer im Schatten der viel berühmteren Schwester in Bam. Nach dem Erdbeben, das Bam zerstörte, ist Rayen zu neuem Ruhm und Interesse gekommen, wie wir finden zu Recht. Innerhalb einer mächtigen Stadtmauer mit 15 Türmen, stehen die Reste eines Gouverneurssitzes mit Versammlungsplatz, ein Basar, eine Sportstätte (Zurkhaneh), eine Krankenstation, Ställe, Handwerksbetriebe, ein Feuertempel (aus vorislamischer Zeit) und Wohnhäuser (bis zu drei Stockwerke) für ca. 1500 Menschen inclusive Wasserversorgung und Kanalisation. Der ganze Komplex ist beeindruckend. Wir kommen um halb zehn an und sind die einzigen Touristen. Ein Soldat stellt uns Fragen (Wie hierher gekommen? Mit Führer? In welchem Hotel wohnen sie?) und will unseren Paß sehen. Er ist ein bißchen unwirsch. Dann sieht er Mines Paß und ihren Namen, der sie als Türkin outet und seine Miene hellt sich auf. Er kommt aus Ardabil im Norden Irans und spricht Azeritürkisch und die beiden können sich sehr gut verständigen. Sein Herz schmilzt und er führt uns herum und zeigt uns alles und freut sich, Türkisch zu hören. Danach trinken wir Tee auf dem Rasen vor der Zitadelle, den unser Fahrer aus dem Kofferraum zaubert. Wir fahren zurück Richtung Kerman, um dann in der Nähe von Mahan in den berühmten Gärten Baq-e Shahzadeh zu halten. Auf dem Weg fällt Mine ein, daß sie versehentlich ihren Gürtel mit sehr viel Geld (Hose gewaschen und vergessen) im Hotel hat liegen lassen, was wir sonst nie tun. Wir machen uns Sorgen und der ganze Nachmittag ist überschattet. Was, wenn das Geld weg ist? Im Garten: alte Bäume, hauptsächlich Zypressen, stehen zu beiden Seiten eines breiten Wasserlaufs, der sich in mehrern Stufen von Becken zu Becken durch den Garten ergießt. Den Eingang bildet ein wunderbarer Pavillion, am Ende steht ein kleiner Palast, der mittlerweile ein Restaurant ist. Es ist insgesamt ein sehr ästhetischer Ort, der in der Hitze ein wenig Kühlung bietet. Wir trinken zum Abschluß einen kurzen Tee und schlendern dann zurück zu unserem Fahrer. Kaufen noch ein paar Maulbeeren und weiter geht es nach Mahan zum Mausoleum des Sufi-Derwisch Shah Ne’matollah Vali, dem Aramgah-e Shah Ne’matollah Vali. Das ist ein beeindruckender Ort, wunderschön durchgestaltet. Er wurde im frühen 15. Jahrhundert gebaut von einem indischen König, der den Sufimeister verehrte. Es ist ein Komplex aus begrünten Vorhöfen mit Wasserbecken, dem eigentlichen Mausoleum unter einer schönen mit blauen Kacheln verzierten Kuppel, dazugehörigen Vorräumen, einem kleinen, von einem Derwisch weitgehend mit Kalligraphien ausgemalten, kleinen Gebetsraum und schönen Minaretten. Wir dürfen auf das Dach klettern und auch auf das eine Minarett, was mir doch unheimlich ist, weil das Geländer oben baufällig ist. Während ich im Treppenloch sitzen bleibe, versucht Mine ein paar Fotos von der umgebenden Stadt. Finden danach auf dem Gelände noch den schönen Buchladen (wenn man Farsi kann) und kaufen zwei CDs und eine Kassette mit iranischer Musik. Fahren in der Hitze zurück und kommen schweißgebadet im Hotel gegen drei Uhr an. Sind sehr glücklich, weil vom Geld nix fehlt und sehr erleichtert. Nach eine Ruhepause gehen wir los ins Internetcafe, das wir nach einigem Laufen und Nachfragen finden. Die Temperatur ist unglaublich in dem kleinen Raum. Wir geben den Blog auf (endlich mal wieder) und machen das Nötigste und gehen dann Heim. Essen zu abend im Hotel und gehen zeitig zu Bett, da es morgen früh losgehen soll in die Wüste.
Dienstag, 26. Mai 2009
25.5.09 Kerman
Kerman liegt auf fast 2000m Höhe und ist umgeben von noch höheren Bergen bis über 4000m. Hierhin hat der Krieg in Afghanistan viele Flüchtlinge gebracht. Man sieht hier nicht selten bettelnde Frauen in Begleitung ihrer Kinder auf den Straßen, vor Ampeln zwschen den haltenden Autos und auf dem Basar sieht. Wir halten sie für Afghanen oder Pakistaner, wissen es nicht ganz genau. Aus Afghanistan werdn viele Drogen geschmuggelt, es gibt daher viele Abhängige hier und die Afghanen sind nicht so gut gelitten hier. Hier und in der Nachbarprovinz Sistan va Balutchestan leben auch die Minderheit der Balutschen (machen 2% der iranischen Bevölkerung aus). Die Hälfte der Balutschen sind Nomaden. Sie leben im Iran, in Pakistan und Afghanistan, haben ihre eigene Sprache, sind meist Sunniten und u.a. daher nicht so gut angesehen. Sie sehen (auch in ihrer Tracht) aus wie Pakistaner. Kerman liegt nahe der Wüste Lut. Von hier aus sind früher sicher viele Menschen zur Besichtigung der einzigartigen Stadt Bam gestartet, die UNESCO Weltkulturerbe war/ist und die man sehr aufwendig restauriert hatte. Es wurde bekanntermaßen im Rahmen eines verheerenden Erdbebens 2003 weitgehend zerstört. Was für ein Verlust. Ansonsten ist die Umgebung wüstenähnlich, trocken, staubig. Durch Bewässerungsmaßnahmen sieht man kilometerweit angebaute Pistazien. Kein wunder Pistazien mögen es heiß und trocken.
Der Verkehr hier ist auch in Kerman wieder mörderisch. Wir bezweifeln, daß es echte Regeln gibt, an denen man nicht vorbei kommt. Auf den mehrspurigen Straßen gibt es meist keine Fahrstreifen, die Gefährte oszillieren frei aneinander vorbei und umeinander herum, verständigen sich durch Hupen, Ahnen, Beulen und Blickkontakt. Mine hat unseren Vahid gefragt, ob es hier im Iran sowas wie Fahrschulen gibt. Die Antwort lautete wider Erwarten “Ja”. Wir denken, daß sie Grundtugenden lernen wie Schnellsein und Mutigsein. Die Iraner selber machen viele Witze über den Verkehr. Ein gängiger Witz lautet: Ein Mann aus einer anderen Stadt steht an einer befahrenen Straße und versucht, sie zu überqueren. Es ist ihm nicht möglich. Nach Tagen sieht er auf der anderen Seite einen Mann und ruft fragend herüber, wie er geschafft hat, über die Straße zu kommen. Der ruft zurück: “I am born here”.
Wir haben heute gesehen:
Freitagsmosschee aus dem 14. Jahrhundert (Mozaffariden)
dreikuppeliger Grabkomplex Gonbad-e Moshtaqieh (dort beigesetzt ist der Sufimeister Moshtaqieh)
Basar
Tee im Basar im alten Hamam-e Vakil Chaykhaneh
Basarteil: Ganj Ali Khan Square mit Münzmuseum und mit Hamam-e Ebrahim Khan (noch in Betrieb)
Eishaus (nur von außen)
Wunderschöne Nationalbibliothek in alter Textilfabrik
Wieder haben uns heute viele Menschen angesprochen. Manche rufen einem vom Motorrad einfach zu “Welcome to Iran”. Das klingt meist freundlich, aber wir fragen uns manchmal auch, ob man das hier als Bürger beigebracht bekommt, so wahnsinnig nett zu sein und willkommenheißend. Wir denken, daß es wahrscheinlich eher ein eigenes Motiv ist, also irgendwie ehrlich. Wir sind ja sofort als Touristen zu erkennen und werden oftmals mit Interesse in ein einfaches Gespräch verwickelt, das geprägt ist von großer Neugier und Unbefangenheit und der einen tief bewegenden Frage “Was wir vom Iran halten?”, “Wie wir es hier finden?”. Wir haben ja viele positive Eindrücke und geben die an dieser Stelle dann gerne zurück und spüren auf der anderen Seite oft echte Freude und Erleichterung darüber. Die meisten meinen zu wissen, daß man von ihnen schlecht denkt im Ausland und sie wollen irgendwie rehabilitiert werden als gebildete und kulturell reiche Nation, was sie ja sind. Manche sind hungrig nach Kontakten, laden einen zu sich nach Hause ein, geben einem die Handynummer und man müßte sicher keine Scheu haben, das anzunehmen, wenn man sich auf einen mühsamen Dialog mit auf beiden Seiten gebrochenem Englisch einlassen will. Wir saßen nach dem Besuch der beeindruckenden Bibliothek von Kerman im Park und sahen -wie so oft- eine paar junge Männer, die ein paar Worte zusammensuchen im Kreise ihrer Freunde und dann nimmt einer seinen Mut zusammen und kommen zu uns und fragt etwas. Mit der Antwort (meist auf die Frage: “Where do you come from?”) gehen sie zurück und schmieden den nächsten Satz. Das ist ganz rührend. Manche junge Leute sind auch schwer vollgesogen mit dem, was sie an Gedanken und Grundsätzen immer gehört haben. So erklärte uns eine junge, sicher sehr intelligente Frau (sie will Professorin werden für Literatur), daß die Frauen sich hier verhüllen wollen und sie dadurch gegenüber den Männern freier werden und das es nicht gut ist, seine Schönheiten der Öffentlichkeit zu zeigen. Man meint dann fast, sie nicht zu unbedacht (und nicht auf die Schnelle) stören zu wollen, in dem, was ihnen hilft ihr Weltbild zu stabilisieren, aber manches ist schon befremdlich. Natürlich hören wir jetzt vor den Wahlen auch viele offene und kritische Stimmen zur Regierung. Die alte Erkenntnis trifft zu: ohne Akzeptanz und gegenseitige Wertschätzung keine Verständigung, keine Versöhnung, kein echte Zusammenkunft. Die Menschen hier sind hungrig nach Aufwertung. Wir jedenfalls werden äußerst respektvoll behandelt und geben unsere Freude darüber uns hier so selbstverständlich und ungehindert bewegen zu können gerne zurück. Es gibt eben immer mehrere Wahrheiten. Die echt brennenden Fragen über drakonische Strafen im Lande, persönliche Unfreiheit, Sittenwächter sind mit Unbekannten hier sowieso nicht verhandelbar.
Der Verkehr hier ist auch in Kerman wieder mörderisch. Wir bezweifeln, daß es echte Regeln gibt, an denen man nicht vorbei kommt. Auf den mehrspurigen Straßen gibt es meist keine Fahrstreifen, die Gefährte oszillieren frei aneinander vorbei und umeinander herum, verständigen sich durch Hupen, Ahnen, Beulen und Blickkontakt. Mine hat unseren Vahid gefragt, ob es hier im Iran sowas wie Fahrschulen gibt. Die Antwort lautete wider Erwarten “Ja”. Wir denken, daß sie Grundtugenden lernen wie Schnellsein und Mutigsein. Die Iraner selber machen viele Witze über den Verkehr. Ein gängiger Witz lautet: Ein Mann aus einer anderen Stadt steht an einer befahrenen Straße und versucht, sie zu überqueren. Es ist ihm nicht möglich. Nach Tagen sieht er auf der anderen Seite einen Mann und ruft fragend herüber, wie er geschafft hat, über die Straße zu kommen. Der ruft zurück: “I am born here”.
Wir haben heute gesehen:
Freitagsmosschee aus dem 14. Jahrhundert (Mozaffariden)
dreikuppeliger Grabkomplex Gonbad-e Moshtaqieh (dort beigesetzt ist der Sufimeister Moshtaqieh)
Basar
Tee im Basar im alten Hamam-e Vakil Chaykhaneh
Basarteil: Ganj Ali Khan Square mit Münzmuseum und mit Hamam-e Ebrahim Khan (noch in Betrieb)
Eishaus (nur von außen)
Wunderschöne Nationalbibliothek in alter Textilfabrik
Wieder haben uns heute viele Menschen angesprochen. Manche rufen einem vom Motorrad einfach zu “Welcome to Iran”. Das klingt meist freundlich, aber wir fragen uns manchmal auch, ob man das hier als Bürger beigebracht bekommt, so wahnsinnig nett zu sein und willkommenheißend. Wir denken, daß es wahrscheinlich eher ein eigenes Motiv ist, also irgendwie ehrlich. Wir sind ja sofort als Touristen zu erkennen und werden oftmals mit Interesse in ein einfaches Gespräch verwickelt, das geprägt ist von großer Neugier und Unbefangenheit und der einen tief bewegenden Frage “Was wir vom Iran halten?”, “Wie wir es hier finden?”. Wir haben ja viele positive Eindrücke und geben die an dieser Stelle dann gerne zurück und spüren auf der anderen Seite oft echte Freude und Erleichterung darüber. Die meisten meinen zu wissen, daß man von ihnen schlecht denkt im Ausland und sie wollen irgendwie rehabilitiert werden als gebildete und kulturell reiche Nation, was sie ja sind. Manche sind hungrig nach Kontakten, laden einen zu sich nach Hause ein, geben einem die Handynummer und man müßte sicher keine Scheu haben, das anzunehmen, wenn man sich auf einen mühsamen Dialog mit auf beiden Seiten gebrochenem Englisch einlassen will. Wir saßen nach dem Besuch der beeindruckenden Bibliothek von Kerman im Park und sahen -wie so oft- eine paar junge Männer, die ein paar Worte zusammensuchen im Kreise ihrer Freunde und dann nimmt einer seinen Mut zusammen und kommen zu uns und fragt etwas. Mit der Antwort (meist auf die Frage: “Where do you come from?”) gehen sie zurück und schmieden den nächsten Satz. Das ist ganz rührend. Manche junge Leute sind auch schwer vollgesogen mit dem, was sie an Gedanken und Grundsätzen immer gehört haben. So erklärte uns eine junge, sicher sehr intelligente Frau (sie will Professorin werden für Literatur), daß die Frauen sich hier verhüllen wollen und sie dadurch gegenüber den Männern freier werden und das es nicht gut ist, seine Schönheiten der Öffentlichkeit zu zeigen. Man meint dann fast, sie nicht zu unbedacht (und nicht auf die Schnelle) stören zu wollen, in dem, was ihnen hilft ihr Weltbild zu stabilisieren, aber manches ist schon befremdlich. Natürlich hören wir jetzt vor den Wahlen auch viele offene und kritische Stimmen zur Regierung. Die alte Erkenntnis trifft zu: ohne Akzeptanz und gegenseitige Wertschätzung keine Verständigung, keine Versöhnung, kein echte Zusammenkunft. Die Menschen hier sind hungrig nach Aufwertung. Wir jedenfalls werden äußerst respektvoll behandelt und geben unsere Freude darüber uns hier so selbstverständlich und ungehindert bewegen zu können gerne zurück. Es gibt eben immer mehrere Wahrheiten. Die echt brennenden Fragen über drakonische Strafen im Lande, persönliche Unfreiheit, Sittenwächter sind mit Unbekannten hier sowieso nicht verhandelbar.
24.5.09 Kerman
Gehen um sechs Uhr morgens nach dem Packen rüber zum Gästehaus. Trinken einen Tee. Maziars Vater hat uns schon ein schönes Frühstück zusammengepackt für den Bus und altes Wasser bereitgestellt. Sehr lieb. Ein Taxi bringt uns nach Khur. Dort nehmen wir den Bus um sieben nach Yazd. Es ist einer dieser alten iransichen Busse ohne (funktionierende) Klimaanlage. Diese Sorte Busse heißen Mahmooly und haben scheinbar eine gemeinsame Wurzel mit Mercedes, auf die man natürlich pocht. Sie sind scheinbar sehr robust, aber zum Teil deutlich über 30 Jahre alt. Wir fahren fünf Stunden durch die Hitze, schlafen immer wieder ein und schwitzen nonstop. Die armen Frauen um uns herum mit ihren vielen Hüllen und dem schwarzen Chador. Sie tun uns richtig leid. Sie sind gezwungen unter jedweden Umständen diese Bedeckung zu tragen. Wieviel Energie und Bewegungslust das raubt?! Alle liegen schwitzend in den Sesseln und die meisten schlafen. Zu allem Überfluß muß man mit dem Trinken vorsichtig sein, weil diese Busse eigentlich nie Pause machen. Fix und fertig kommen wir in Yazd an. Hier ist es aber etwas kühler und wir trinken etwas und fühlen uns schon besser trotz geschwollener Füße. Nehmen dann den Bus nach Kerman. Er ist wunderbar klimatisiert, fast friert man und wir schlafen wieder viel. Die Außentemperatur wird mit bis zu 44°C (?) angegeben, die Innentemperatur geht runter bis auf 18°C. Mine möchte nix vorgelesen bekommen über die uns erwartenden Sehenswürdigkeiten in Kerman und Umgebung - im Moment kein Interesse. Kommen nach fünf Stunden an und nehmen gleich Taxi in das Hotel Akhavan, das wir uns ausgesucht haben. Werden freundlich empfangen. Haben wunderbares Abendessen von einem fürsorglichen Kellner (Gemüsesuppe, Jogurt, Salat, KuKu (kleine Gemüseomletts), Köfte in leckerer Soße, Aubergine mit Reis und dazu ein bißchen Fisch und gemischten Fleischspieß, alkoholfreies Bier und dann Tee). Gehen früh zu Bett zum Entschwellen in der Waagerechten.
23.5.09 Garmeh
Liegen nach dem Frühstück wieder im Divan unter dem Ventilator. Trinken Tee, kriegen iranische Süßigkeiten gebracht, dann wieder Melone. Wir sind die einzigen Gäste und werden richtig verwöhnt, grhören ein bißchen mehr noch zur Familie als vorher. Sprechen mit dem netten Vater von Maziar, der eigentlich Flugzeugingenieur war. Seine Frau ist ganz lieb, aber sehr dick und unbeweglich und hat Zucker. Sie scheint auch ein bißchen depressiv und affektlabil und mit einer Neigung zu Zwängen und wir hören zu und sagen auch ein bißchen was dazu. Mittagessen gibt es mit der Familie in der Küche (Reis mit Kartoffeln gemischt und lecker gewürzt, dazu Salat und Jogurt). Danach taumeln wir wieder durch die Gluthitze zu Maziars Haus und unserem Zimmer. Tippen dort im Blog, verscheuchen die Fliegen, waschen Wäsche, schwitzen und schwitzen und sind manchmal ratlos vor lauter Hitze. Um fünf geht es wieder raus. Gehen durch eine Kraterlandschaft hoch und runter und finden keinen so schönen Weg. Wir schwitzen unglaublich dabei. Das Wetter ist bedeckt und sehr diesig und läßt auf keinen besonderen Ausblick hoffen. Trotzdem ist man erleichtert, sich überhaupt bewegen zu können nach den erzwungenen Stunden des Stillhaltens. Trinken dann erschöpft Tee und gehen duschen. Essen später mit der ganzen Familie inclusive Maziar Kuku mit Brot und Salat und Jogurt. Zahlen unsere Rechnung und arrangieren alles für die Abreise morgen. Sind ganz kaputt von der Hitze und haben unruhige Nacht u.a. weil stürmiger Wind aufkommt und es hier und da klappert und weht.
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